Von GOETZEN bis LIEMBA: Preview – Teil 1

Das fängt ja gut an, ist gleichzeitig aber auch ein wenig unheimlig. Erst vor wenigen Tagen hatten wir darüber berichtet, dass Alex Capus ein Vorwort zu unserem Buch rund um die Liemba, vormals Goetzen, beigesteuert hat und dass das Werk bereits im Druck sowie ab Mitte Juli lieferbar ist. Und schon sind die ersten Vorbestellungen eingegangen. Wir sind echt beeindruckt. Das hätten wir nun wirklich nicht erwartet. Danke! Bitte macht weiter so.

Um euch die Zeit bis zum finalen Versand der Bücher zu verkürzen, haben Sarah und ich kurzerhand beschlossen, einen weiteren Einblick ins Buch zu geben. Im Rahmen einer vierteiligen Preview-Reihe stellen wir über die kommenden Tage Auszüge aus Kapitel 7 ins Netz. Ist ein wenig wie Weihnachten, zuerst vier Lebkuchen, dann die volle Bescherung.

Kapitel 7: NINDE – Capitain’s Lunch (Auszüge – Teil 1)

In der offenen Kombüse auf dem Promenadendeck dampfen Fleischberge und Kessel voll Reis zwischen Frühstücksresten und Knochenhaufen. Nichts für Feingeister. Feinkost sieht anders aus. Trennkost erst recht. Getrennt wird hier nichts, nicht einmal der Müll. Dafür wird umso mächtiger gekocht. Täglich dreimal für die Passagiere der 1. und 2. Klasse. Morgens, mittags, abends. So auch jetzt.

Drei Männer ackern an Herden und Öfen. Einer wirft Fleischbrocken in einen großen Topf gleich neben der weit zum Deck geöffneten Tür. Ein anderer rührt mit seinem dunkelbraunen Holzlöffel energisch in einem Gefäß herum. Danach hackt er mit flinken Händen und scharfem Küchenmesser Berge von Weißkohl. Den Kopf des Dritten bedeckt eine echte Kochmütze. Er überwacht Fischleiber, die tot in spuckendem Fett schwimmen. „Wie heißt der Fisch?“ Ich stehe seit einigen Minuten vor der Küchentür und schaue den Jungs hungrig beim Arbeiten zu. „Mgebuka“, sagt der Mann an der Fischpfanne. Klar, was sonst. Schüchtern lächelnd greift er eine Fischkelle und beginnt, jeden Röstfisch einzeln aus der Pfanne zu bugsieren und neben dem Herd sorgfältig auf ein Backblech zu stapeln. Der Bratgeruch betört meine Sinne, mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Gierig verfolge ich jede seiner Bewegungen, würde nur zu gern ein kleines Stück kosten. Der Dompteur spürt meine Anspannung und schwenkt die Fische deutlich langsamer von A nach B. Grausame Folter. Schaurig schöne Welt.

Schritte nähern sich, Rolf trödelt heran. Sein Magen ist genügsam und fordert höchst selten eine Mahlzeit ein. Zu allem Überfluss entdeckt der Herr ein seltenes Detail, bleibt stehen und studiert die Beschriftung eines alten Rohres, das sich, ummantelt von dicken Schichten Ölfarbe, an den Wänden des Promenadendecks entlangschlängelt. Es wird ausgiebig gelesen, aus allen Perspektiven betrachtet, ganz offensichtlich handelt es sich um ein äußerst interessantes Fundstück. Rolf ist in seinem Element. Ohne Widerspruch stimmt seine Kamera in die Bewunderung ein und äußert sich entsprechend.

Das klackende Geräusch des Kameraspiegels lässt meine Kombüsenmänner zusammenfahren. Die traute Stimmung zwischen ihnen und mir ist dahin. Sie geben sich wie kleine Teenagermädchen beim Abschlussball und reißen die Hände vor die Gesichter. „No photo.“ Rolf schaut in die Kombüse und grüßt die Truppe mit breitem Lächeln. Die Küchenszenerie ist ganz nach seinem Geschmack. Die Köche haben seinen Jagdinstinkt geweckt. Sofort schwatzt er unbekümmert auf sie ein, lässt sich dies und das lang und breit erklären. Es wirkt. Wie immer. Nach fünf Minuten ist die anfängliche Abwehrhaltung komplett vergessen, sind Stimmung und Köche völlig gelöst. Rolf lässt noch etwas Leine, um weitere fünf Minuten später direkt zu fragen, ob Fotos nun genehm seien. Ja, natürlich. Wo und wie solle man posieren?

„Bitte hier vor dem Topf, das wäre schön.“

„So?“

„Ja, sehr gut. Vielleicht noch ein Bild dort beim Fisch?“

„Etwa so?“

„Ja, das sieht super aus. Spitze.“

Ich sende Zeichen, bringe meinen leeren Magen in Erinnerung. Rolf nickt. Daumen hoch. Die Männer klopfen sich nach dem Shooting wichtig auf die Schultern. Männerfreundschaft. Vielen Dank. Wir eilen weiter zu den anderen hungrigen Mäulern nebenan, die sich um klapprige Tische mit Blümchendecken scharen und wacklige Stühle herumschieben. Es ist Stoßzeit in der Kantine, liebevoll Bordrestaurant genannt. Der längliche Raum ist stets gut besucht und gehört zu den zentralen Anlaufpunkten des Schiffs. Er ist ideal zum Verhandeln und Palavern, Streiten und Trinken. Einfach unschlagbar gut für ein Nickerchen im Schatten.

Jetzt allerdings brennt hier wirklich die Luft. 

Soweit Teil 1, schon morgen geht es mit dem zweiten Teil unserer kleinen Preview-Reihe weiter.

Schickt uns doch bitte wieder eure Meinungen und Kommentare, darauf sind wir sehr gespannt.

In diesem Sinne, bis morgen!

Rolf G. Wackenberg

Die Autoren:  Sarah Paulus  &  Rolf G. Wackenberg

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