Von GOETZEN bis LIEMBA: Preview – Teil 2

Gestern haben wir mit Teil 1 der kleinen Preview-Reihe zu unserem Buch über die Liemba, vormals Goetzen, begonnen. Heute folgt, wie versprochen, der zweite Teil:

Kapitel 7: NINDE – Capitain’s Lunch (Auszüge – Teil 2)

Jetzt allerdings brennt hier wirklich die Luft. Trotz der auf beiden Seiten weit geöffneten Fenster steht sie dick und schwer im Raum. Empfängt die hereinströmende Menschenmasse wie eine Wand. Kein Platz zum Treten, geschweige denn Sitzen zwischen all den bunt gekleideten Leibern gewichtiger Matronen, drahtiger Händler, gerissener Geschäftsleute und allerlei Kindergeplärr drum herum. Menschenanzahl und Raumtemperatur korrelieren positiv. Beide steigen unaufhörlich, Schweiß strömt aus jeder Pore. Kellner Ronaldo saust beflissen durch die fordernd lärmende Menge, immerfort von einem Ende des Raums zum anderen und zurück. Im Vorbeieilen nimmt er schnellstmöglich die Bestellungen auf, sie werden in der Kombüse akkordartig abgearbeitet. Huhn, Fisch oder Rind. Dazu Reis, Chips oder Ugali, ein Getreidebrei aus Maismehl, der an Stampfkartoffeln erinnert, mit der Konsistenz von Kloßteig, ohne nennenswerten Geschmack. In Ostafrika lieben Groß und Klein den Pamps, formen daraus mit einer Hand kleine Bällchen und tunken sie in Soße, bevor die Klumpen genüsslich in den Mund geschoben werden.

Zeitgleich mit Rolf und mir findet sich das Filmteam Voetspore zur Speisung ein. Die sechs Jungs aus Südafrika genießen Ronaldos volle Aufmerksamkeit. Er ist sofort zur Stelle und verschafft unserem Trupp zunächst einmal ausreichend Platz. Drei Nichtesser werden ohne viel Federlesen von einem Ecktisch verjagt. Ronaldo kann sehr bestimmt sein, die Vertriebenen wagen nicht zu widersprechen. Der Tisch wird schnell erweitert, die krümelige Tischdecke fahrig zurechtgeschoben. Zusätzliche Stühle sind eiligst herangeschafft. Wir schieben uns glücklich in die Sitzecke. Nun muss der arme Kellner Sonderwünsche aufnehmen, denn dem Filmteam steht heute nicht der Sinn nach Hausmannskost, sondern nach eigens mitgebrachten Kulinarien aus heimischer Industrieproduktion. Huhn süß-sauer soll es sein. Fertigessen aus Tüten, die sogleich auf dem Tisch ausgebreitet werden. Tütenessen für die Mikrowelle? Der Kellner ist skeptisch, der herbeigerufene Koch erst recht. Beide schauen sich fragend an. Wer kommt bloß auf so einen Blödsinn? Das Filmteam lässt sich nicht unterkriegen, krempelt die Ärmel hoch und leistet Überzeugungsarbeit. Es wird viel geredet und gezeigt. Einer ist lauter als der andere. Es scheint unklar, ob es auf der Liemba überhaupt eine Mikrowelle gibt. Koch und Kellner sind nachhaltig verunsichert, die Südafrikaner umso hartnäckiger bei der Sache. Für- und Widerrede.

Ich verfolge das verbale Handgemenge fasziniert. Mein Hunger ist darüber fast vergessen. Ein erster Teilerfolg zeichnet sich ab, die Schiffsbesatzung hisst die weiße Fahne. Es gebe wohl tatsächlich eine Mikrowelle an Bord. Gleich hier im Restaurant, neben der Bar. Fünf Abgeordnete rennen darauf zu, um sie in Augenschein zu nehmen. Das süß-saure Huhn wird probegelegt, kann aber noch nicht überzeugen. Die Vertreter des Restaurants bleiben unsicher und ziehen sich in die Kombüse zurück. In der Durchreiche ist zu erkennen, wie um alternative Lösungen gerungen und angeregt diskutiert wird. Das kann noch ein Weilchen dauern. Ich bestelle bei Alex eine Tischrunde Bier und verlege mich milde lächelnd aufs Warten.

Schließlich erscheint Kapitän Titus im Raum und bringt umgehend Bewegung in die Tütenfrage. Höchstpersönlich sorgt er für Klärung und setzt sich zu uns an den Tisch. Captain’s Lunch. Das Bier wird gebracht, wir stoßen auf eine gute Reise an und schnacken so dies und jenes, bis endlich das Essen kredenzt wird. Schüsseln mit viel Reis sowie ein verbeulter Aluminiumtopf, in dem das südafrikanische Tütenhuhn vor sich hin dampft. „Und wäre das Huhn noch so schlau, eines Tages kommt es doch in den Kochtopf“, heißt es in Afrika. …

Nach diesem zweiten Streich, folgt morgen ganz bestimmt Teil 3.

Apropos: Gestern konnten wir uns bereits für die ersten Vorbestellungen bedanken. In der Zwischenzeit sind weitere Bestellungen eingegangen. Wir sind echt sprachlos. Erneut ein riesen Dankeschön für das große Interesse! Wer sich in den nächsten Tagen ebenfalls trauen sollte, befindet sich somit in guter Gesellschaft – wir nehmen natürlich gern weitere Vorbestellungen entgegen.

Viele Grüsse

Rolf G. Wackenberg

Die Autoren:  Sarah Paulus  &  Rolf G. Wackenberg

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3 Antworten zu Von GOETZEN bis LIEMBA: Preview – Teil 2

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