Von GOETZEN bis LIEMBA: Preview – Teil 4

Heute veröffentlichen wir den vorerst letzten Teil der Preview-Reihe zu unserem Buch über die Liemba, ehemals Goetzen:

Kapitel 7: NINDE – Capitain’s Lunch (Auszüge – Teil 4)

… Nach kurzem Aufenthalt in Berlin und einem Intermezzo als Militärattaché in Washington folgte von Götzen erneut dem Ruf Ostafrikas, wo seine Kenntnis der lokalen Gegebenheiten sehr gefragt war. Mittlerweile zum Major befördert, wurde von Götzen 1901 Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. Dort brach vier Jahre später der Maji-Maji- Aufstand aus. Ursachen und Auslöser sind vielfältig und können in diesem Buch nur kurz zusammengefasst werden. Um die landwirtschaftliche Produktion zu kontrollieren, setzte die deutsche Kolonialverwaltung zuweilen arabisch-afrikanische Aufseher, sogenannte Akidas, ein. Diese waren bei den Bauern verhasst, weil sie Abgaben stur und brutal eintrieben, obwohl die Ernteergebnisse nach der vom Gouverneur eingeführten Zwangsbepflanzung mit Baumwolle deutlich gegen null tendierten. Zu spät erkannte die Kolonialverwaltung das Problem. Der Aufstand war seit Langem von einigen Stammeshäuptlingen und Medizinmännern in den westlich von Kilwa gelegenen Matumbi-Bergen vorbereitet worden. Als die Plantagenarbeiter nahe Kilwa am Indischen Ozean zu rebellieren begannen, war ein Stein ins Rollen gebracht worden, der nicht mehr aufzuhalten war. Im festen Glauben an Maji-Maji, ein Zauberwasser, das unverwundbar machen sollte, schlossen sich Tausende den Aufständen an, die sich rasch über den gesamten Süden des Schutzgebietes ausbreiteten. Von Götzen setzte militärische Mittel ein und ließ die Revolten mit Hilfe von Marine und Schutztruppe niederschlagen.

Der Gouverneur selbst musste seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und kehrte nach Berlin zurück, wo er 1910 im Alter von 44 Jahren starb. Drei Jahre später erhielt ihm zu Ehren das Papenburger Schiff seinen Namen. Es sollte schon bald das größte am Tanganjikasee sein. Mit der Namensgebung wurde von Götzen für die Verdienste als Entdecker und Gouverneur sowie seine Rolle bei der Niederschlagung des Maji-Maji-Aufstandes geehrt. Durchaus üblich im kolonialen Zeitalter. Dem Image des 1927 in Liemba umbenannten Dampfschiffs hat der ursprüngliche Namensgeber nicht geschadet, ohnehin überlebte es ihn um viele Jahrzehnte.

Rund 414.000 Mark, aus heutiger Sicht etwa 2 Mio. Euro, kalkulierten die Papenburger seinerzeit für die Realisierung des Schiffbauprojekts. Die Zahlung erfolgte in fünf Raten, die erste war fällig bei Auftragserteilung. Elf Monate später, im November 1913, stand das Schiff auf der Helling. Zusammengeschraubt, nicht genietet. Denn gleich nach dem Test sollte es wieder zerlegt, in 5.000 Holzkisten verpackt und nach Kigoma am Tanganjikasee im deutschen Schutzgebiet transportiert werden. Auf Anordnung des Reichskolonialamtes vom 7. November 1914 hieß das Schiff nun schlichtweg Goetzen, ohne Von und Aber. Den Titel seines Namensgebers trug es lediglich während der Bauphase. Dennoch wird das Schiff bis heute gern Graf Götzen genannt, streng genommen ein Fehler.

Um den Wiederaufbau zu beaufsichtigen, schickte die Werft drei Männer nach Afrika. Schiffbaumeister Anton Rüter, Handwerker Hermann Wendt und Nieter Rudolf Tellmann begaben sich mit der kostbaren Fracht auf die lange Reise. Auf Schienen nach Hamburg. Mit vier Überseedampfern Richtung Mittelmeer, durch den Suezkanal und weiter nach Dar es Salaam, der Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas. Schließlich mit der Mittellandbahn nach Kigoma. Die beiden ersten Schiffe, Admiral und Feldmarschall, verließen Hamburg am 19. Dezember 1913. An Bord befanden sich Teile für den Bau einer kompletten Werft in Kigoma und der in Einzelteile zerlegte Schiffsrumpf der Goetzen. Die Windhoek und die Adolf Woermann folgten am 12. bzw. 27. Januar 1914.

„Sie ist ein starkes Schiff“, lobt Kapitän Titus und ergänzt bedeutungsvoll: „MAN-Dieselaggregate. Robust seit 15 Jahren. Die von Caterpillar hielten ja leider nur eine kurze Zeit.“ Westeuropäische Besorgnis hinsichtlich der Belastbarkeit des Schiffs schiebt er heiter beiseite. „Mittlerweile sind ungefähr 450 Passagiere an Bord, weitere 150 könnte die Liemba problemlos aufnehmen“, erklärt er, um sogleich hinzuzufügen, dass für viele Afrikaner die Ticketpreise unerschwinglich hoch seien. „Immer weniger Menschen können sich die Schiffspassage leisten.“

Wir Tischgäste hören konzentriert zu, kratzen nachdenklich die letzten Reste von den Tellern. Titus genehmigt sich einen Nachschlag und stellt nun selbst Fragen. Wohin die Filmleute reisen, will er wissen. „Von Agulhas nach Alexandria. Einmal quer durch den afrikanischen Kontinent“, erzählt Johan Badenhorst. Der Buchautor, Filmproduzent und Chef des Voetspore-Teams ist in seinem Heimatland eine bekannte Größe, vergleichbar mit dem Journalisten und Fernsehmoderator Dieter Kronzucker in Deutschland. Südafrikanische Leser und Fernsehzuschauer kennen ihn über eine Reihe von Reisereportagen, die vornehmlich das Ziel haben, Landsleute mit dem Rest ihres riesigen Kontinents bekanntzumachen. Meist ist das Team mit Geländewagen unterwegs. Auf vielen Routen. Von Westafrika an die Ostküste, entlang der Küste Südafrikas, von Kapstadt zum Kilimandscharo oder nach Gabun. Die nunmehr siebte Reise führt ins nördliche Ägypten, eine Strecke von rund 20.000 km. Mehr als drei Monate werden die Männer unterwegs sein.

Damit sind wir vorerst am Ende angekommen. Alle weiteren Ereignisse, historische wie auch aktuelle, können dem Buch entnommen werden. Wir hoffen, dass die vier Textauszüge einen guten Eindruck von den Hauptthemen, die sich durch das gesamte Buch ziehen, vermitteln konnten.

Insgesamt scheint sich diese Hoffnung realisiert zu haben. In der Zwischenzeit sind weitere Anfragen und Vorbestellungen eingegangen – von Buchhandlungen, Museen sowie privaten Interessenten. Obwohl noch nicht veröffentlicht, läßt sich der Verkauf unseres Liemba-Buchs erstaunlich gut an. Nochmals vielen Dank an alle!

Hier noch einmal alle Links der Preview-Reihe im Überblick:

Abschließend noch eine gute Nachricht: Die komplette Auflage liegt nun gedruckt und gebunden vor. Einer Veröffentlichung unseres Liemba-Buchs in den kommenden Tagen steht also nichts mehr im Weg.

Bis dahin

Rolf G. Wackenberg

Die Autoren:  Sarah Paulus  &  Rolf G. Wackenberg

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