Eine Einschätzung zur gegenwärtigen Lage

Ende vorigen Jahres hatten wir über positive Entwicklungen bzgl. einer Sanierung der betagten Liemba, vormals Goetzen, berichtet. Nun hat uns Michael Berg seine aktuellen Erfahrungen rund um dieses Thema zwecks Veröffentlichung auf diesem Blog zugeschickt. Nachfolgend seine Einschätzung in vollem Wortlaut:

Die in den Medien als so positiv dargestellte neue Entwicklung stellt sich bei näherer Betrachtung leider als unvollständig dar. So fehlt vor allem der Umstand, daß die Kommunikation mit Tansania zwischenzeitlich auf den Nullpunkt gesunken ist. Denn offensichtlich ist man dort die seit fünf Jahren andauernden Diskussionen mit Deutschland leid geworden.

Allerdings hatte sich zwischenzeitlich auch in Tansania etwas ereignet, denn dort war im November 2015 mit John Magufuli (Beiname: „Der Bulldozzer“) ein neuer Präsident vereidigt worden, der sich unter anderem den Kampf gegen Mißwirtschaft und Korruption auf die Fahnen geschrieben hatte.

Auch der MSCL war in das Blickfeld des Präsidenten geraten, und am 7. Oktober 2016 gab das Schiffahrtsunternehmen eine Ausschreibung zur Instandsetzung von drei seiner Schiffe heraus – unter anderem die Liemba. Die Ausschreibung erhielt ich bereits vor diesem Datum und leitete sie umgehend an die entscheidungsrelevanten Stellen in Deutschland weiter. Inwiefern sich dort jemand mit den näheren Detailangaben der Instandsetzung befasste, die gegen Gebühr beim MSCL anzufordern waren, entzieht sich meiner Kenntnis.

Diese näheren Details hatte der MSCL jedenfalls unglücklicherweise äußerst vage formuliert, so beispielsweise die Position „Repairs of the whole wooden deck“: Bedeutete dies nun kalfatern, kreuzverleimen, oder was? Welche Holzsorte sollte verwendet werden? Ein anderes Beispiel: „Complete re-painting from keel to top, inside and outside“: Dies sagte nichts über die Vorbereitung (Wasser- oder Sandstrahlen) oder die Anzahl der Farbschichten und -arten (Grundierung, Decklack) aus. Auch eine Vorgabe geeigneter Farben fehlte. Andere wichtige Punkte fehlten gleich komplett, so die Beseitigung von Schäden am Rumpf, welche die technischen Gutachter aus Deutschland bei ihrer Inspektion Ende 2014 bei dem damals auf der Helling liegenden Schiff dokumentiert hatten.

Unabhängig davon hatte Tansania interessanterweise jedoch allein für die Instandsetzung der Liemba 2.500.000,00 € aus eigenen Mitteln bereitstellen können – und somit exakt das eine Viertel der Gesamtsumme, auf das man sich eigentlich 2015 mit der deutschen Seite geeinigt hatte. Doch die Kommunikation zwischen den offiziellen Stellen in Deutschland und Tansania war – wie erwähnt – zwischenzeitlich abgerissen und am 11. Januar 2017 wurde ich gebeten, nachzuforschen.

Im Ergebnis wurde klar, daß man sich in Tansania „unsicher bezüglich der deutschen Interessen“ sei und man auch aufgrund der Weisung des Präsidenten nicht länger zuwarten könne. Offensichtlich lautete die Vorgabe, die Generalüberholung der Liemba nun ausschließlich mit dem eigenen zur Verfügung stehenden Betrag zu realisieren – der dafür natürlich bei Weitem nicht ausreichen würde.

Auch der weitere Zeitplan erschien sehr anspruchsvoll: Evaluierung der Angebote ab dem 16. Januar 2017, Zuschlag Anfang Februar, anschließend Vertragsunterzeichnung. Bereits im März 2017 sollten die Arbeiten beginnen und neun Monate dauern.

Innerhalb der durch den MSCL gesetzten Ausschreibungsfrist hatten sich mehrere Werften beworben, darunter je eine aus Dänemark und aus Kroatien. Ein Angebot einer deutschen Werft war selbstverständlich und erwartungsgemäß natürlich nicht dabei!

Nachdem mir das alles bekannt war, schlug ich vor, daß der deutsche Botschafter schnellstmöglichst das persönliche Gespräch einerseits mit dem tansanischen Präsidenten und andererseits mit dem MSCL (General-Manager, Branch-Manager Kigoma und – sofern vorhanden – mit dem Projekt-Manager Liemba) suchen möge. Einerseits, um auf die zwischenzeitlich bereitgestellten deutschen Gelder hinzuweisen, andererseits, um deutscherseits weiterhin Einfluß auf das Projekt – und ein möglichst hochwertiges Ergebnis – zu behalten.

Michael Berg

 

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